Steuerplanung ist eine knochentrockene Arbeit! ... erzählt man uns immer wieder.

GmbH light – was ist wirklich drinnen?


 

Mit 1.7.2013 soll – so ist es zumindest der Plan der zuständigen Ministerien – die GmbH light eingeführt werden. Im Moment befindet sich der Gesetzesentwurf in der Begutachtungsphase. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass es zu diesem Thema schon viele Vorhaben gab, diesmal scheint es aber ernst zu werden…

 

Daher lohnt es sich, einen genaueren Blick ins Detail zu werfen.

Vorab: Günstiger wird die Gründung, im laufenden Betrieb wird die GmbH light nicht wirklich billiger!

 

Was ändert sich bei der Gründung?

 

Das notwendige Mindeststammkapital soll bei Neugründungen nach dem 30.6. statt bisher 35.000 Euro nur noch 10.000 Euro betragen. Davon ist, wie bisher, die Hälfte in Form von Geldmitteln in das Unternehmen einzuzahlen. Die zweite Hälfte kann weiterhin als Sachmittel (z.B. Fahrzeuge, etc.) ins Unternehmen eingebracht werden.

Das heißt, während bisher 17.500 Euro an Geldkapital aufzubringen waren, sind es in Zukunft nur noch 5.000 Euro.

 

Außerdem sinken – voraussichtlich – je nach Gesellschaftsvertrag die Notariatskosten – die sich am Mindeststammkapital bemessen – bei der Gründung von derzeit ca. 1.100 Euro auf ca. 600 Euro. Erfüllt der dem Notar vorgelegte Vertrag die gesetzlichen Inhaltserfordernisse, und wird die GmbH durch eine natürliche Person errichtet, welche die Voraussetzungen des Neugründungs-Förderungsgesetz erfüllt, sinken die Kosten nochmals.

Außerdem entfällt die Kundmachungspflicht in der Wiener Zeitung, was ca. 150 Euro einspart.

 

Was ändert sich beim laufenden Betrieb?


Schon bislang musste vom Geschäftsführer qua Gesetz eine außerordentliche Generalversammlung einberufen werden, wenn die Hälfte das Stammkapitals verloren gegangen ist.

In Zukunft soll diese Pflicht außerdem bestehen, wenn die Eigenmittelquote (§23 URG) unter 8% sinkt und dabei die fiktive Schuldentilgungsdauer (§24 URG) mehr als 15 Jahre beträgt.

Eigenmittelquote = (Eigenkapital + unversteuerte Rücklagen) / (Gesamtkapital – Anzahlungen auf Vorräte)

Fiktive Schuldentilgungsdauer = Schulden gemäß §24 URG (im Wesentlichen Rückstellungen plus Verbindlichkeiten minus liquide und leicht verkaufbare Mittel) / Mittelüberschuss aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gemäß §24 URG

Darüber hinaus haben zukünftig auch Mehrheitsgesellschafter (>50%) die Pflicht, einen Insolvenzantrag zu stellen sofern dies notwendig ist und kein organschaftlicher Vertreter (Geschäftsführer) vorhanden ist. (§69 Insolvenzordnung)

 

Außerdem ist eine Kapitalherabsetzung für bestehende GmbHs auf mindestens 10.000 Euro möglich, wobei das Verfahren relativ aufwändig ist, da es eines Gesellschafterbeschlusses auf Abänderung des Gesellschaftsvertrages, einer Eintragung beim Firmenbuchgericht, sowie einer Verständigung (sog. „Aufgebotsverfahren“) der Gläubiger und auf deren Wunsch eine Auszahlung bzw. Besicherung ihrer Forderungen bedarf. In Fällen mit wenigen Gläubigern bzw. Gläubigerforderungen ist die Herabsetzung aber überlegenswert, wenn dadurch die Substanz des Unternehmens nicht gefährdet wird.

 

Außerdem sinkt die Mindestkörperschaftsteuer (kurz Mindest-KöSt), die mit 5% des Mindeststammkapitals festgesetzt ist, von derzeit 1.750 Euro auf 500 Euro pro Jahr. Ob diese Änderung mit 1. Juli 2013 oder erst mit 1. Jänner 2014 in Kraft tritt, ist aber noch nicht ganz klar.

 

Das haftende Vermögen der GmbH gegenüber ist bei geringerem Stammkapital natürlich entsprechend geringer.

 

Was bleibt gleich?

 

Die Körperschaftsteuer beträgt weiterhin 25% des Gewinns, in früheren Jahren gezahlte Mindestkörperschaftsteuern können gegengerechnet werden.

Das bedeutet, in einem normalen Jahr mit mehr als 7.000 Euro Gewinn vor Steuer bleibt die Steuerbelastung gleich.

Darunter gibt es eine teilweise Entlastung bei der Mindestkörperschaftsteuer, die aber in der Praxis nur einen Stundungseffekt hat, zumindest wenn irgendwann die Gewinnphase erreicht wird.

 

Somit ergibt sich aus steuerlicher Sicht im Falle einer beabsichtigten Vollausschüttung der Gewinne an die Gesellschafter weiterhin erst ab 156.000 Euro Gewinn vor Steuer ein steuerlicher Vorteil bei der GmbH gegenüber einem Einzelunternehmen!

 

Die Haftungssumme der GmbH ist zwar geringer, die Geschäftsführerhaftung ist hiervon aber nicht berührt. In der Kombination Gesellschafter-Geschäftsführer kommt es nicht immer zur vermuteten Haftungsbegrenzung auf das Stammkapital. Denn der Geschäftsführer haftet – je nach Verschuldensgrad – auch mit seinem Privatvermögen. Beispielsweise bei nicht rechtzeitiger Anmeldung einer Insolvenz.

 

Weiterhin besteht bei der GmbH – ungeachtet der Umsatzhöhe – immer die Pflicht zur Gewinnermittlung mittels Betriebsvermögensvergleich, also eine doppelte Buchhaltung zu führen.

Im Gegensatz dazu können Einzelunternehmer, und auch Personengesellschaften (OG, KG), bis zu einem Jahresumsatz von 700.000 Euro ihren Gewinn via Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln.

Die doppelte Buchhaltung ist etwas aufwändiger und kostenintensiver, hat jedoch den Vorteil, die wesentlich besseren Informationen über das eigene Unternehmen zu liefern.

Tipp: Auch Einzelunternehmer können jederzeit freiwillig eine doppelte Buchhaltung machen.

 

Siart-Tipp: Was häufig übersehen wird, ist die wesentlich bessere Eignung der GmbH zur Kredittilgung. Während beim Einzelunternehmer nur mit voll versteuertem Gewinn (bis zu 50% Einkommensteuer) der Kredit zurückgezahlt werden kann, ist die GmbH in der Lage mit Gewinnen, bei denen nur die 25%ige KöSt abgezogen wird, ihre Kredite zurückzuzahlen.

In Unternehmungen mit großem Investitionsbedarf rechnet sich die GmbH dadurch oft schon bei weniger als 156.000 Euro Gewinn.

 

Spezial-Tipp: Wollen Sie’s genau wissen? Probieren Sie unter „Steuerinfo“ bei den Berechnungstools unseren Rechtsform-Vergleichsrechner, der nicht nur ihren Kredit sondern auch gleich ihren privaten Geldbedarf berücksichtigt!

 

Fazit: Die GmbH wird in der Gründung billiger, im laufenden Betrieb nicht. Wer längerfristig plant, sollte also nicht nur auf die kurzfristigen Verbilligungen achten! Die Frage GmbH oder Einzelunternehmen hängt eben nicht nur von den – jetzt billiger gewordenen – Gründungskosten ab!


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